Thema und Betreuer wählen

Kernaussage: Die Wahl von Thema und Betreuer sind die wichtigsten Entscheidungen im Zusammenhang mit einer Bachelor- oder Masterarbeit.


Welche Ziele kann ich mir für meine Bachelor- oder Masterarbeit setzen?

Die folgenden Ziele sind denkbar:

  • Ich möchte eine Arbeit schreiben, die mit "sehr gut" bewertet wird.

  • Ich möchte eine Arbeit schreiben, die ich in möglichst kurzer Zeit fertigstellen kann.

  • Ich möchte eine Arbeit schreiben, die sehr anspruchvoll ist, damit ich möglichst viel lerne.

  • Ich möchte eine Arbeit schreiben, zu einem Thema, das mich besonders interessiert oder das für mich wichtig ist, weil ich später auf diesem Gebiet arbeiten will.

Wenn ich mir das letzte Ziel gesetzt habe, dann habe ich mich schon für ein Thema entschieden und muss mir einen Betreuer suchen, der mich und dieses Thema akzeptiert. Bei den ersten drei Zielen würde ich zuerst einen Betreuer suchen und dann mit ihm zusammen ein Thema festlegen, denn von einem guten Betreuer kann ich viel lernen und er hilft, wenn unerwartete Probleme auftauchen.


Wie finde ich den passenden Betreuer?

Der ideale Betreuer wäre jemand, der meine anspruchsvolle Bachelor- oder Masterarbeit so gut betreut, dass ich die Arbeit ohne übermäßige Belastung mit sehr gutem Erfolg fertigstellen kann. Anschließend vermittelt er mir den Kontakt zu einer Firma, die mir einen Arbeitsplatz anbietet. Solch einen Betreuer zu finden ist nicht einfach, denn oft haben die Betreuer nicht genügend Zeit für eine ideale Betreuung.

Als erster Betreuer kommt nur eine Professorin oder ein Professor meines Studienganges in Betracht. Jede Professorin bzw. jeder Professor hat eigene Fachgebiete, auf denen sie bzw. er Bachelor- oder Masterarbeiten betreut. Deswegen sollte ich als Erstes überlegen, auf welchem Fachgebiet ich meine Arbeit schreiben will. Habe ich mich für ein Fachgebiet entschieden, dann kommt auch nur eine begrenzte Anzahl von Professorinnen oder Professoren in Frage.  Unter diesen wähle ich den am besten zu mir passenden Betreuer aus.

Sollte ich mich für einen "unpassenden" Betreuer entscheiden, besteht die Gefahr, dass es zu Meinungsverschiedenheiten kommt, was sich höchstwahrscheinlich negativ auf die Benotung meiner Arbeit auswirken würde. Deshalb ist es besser, die Entscheidung für einen Betreuer langfristig vorzubereiten. Dann kann ich Studierende höherer Semester, die bei den in Frage kommenden Betreuer gerade ihre Arbeit schreiben, nach ihren Erfahrungen fragen und ich kann in der Bibliothek fertige Arbeiten studieren, die von diesen Betreuern betreut wurden. Weiterhin kann ich versuchen, möglichen Betreuern im Vorfeld eher positiv statt negativ aufzufallen.


Wie finde ich das passende Thema?

Habe ich mich für einen Betreuer entschieden, dann gibt es zwei Möglichkeiten:

  1. Der Betreuer schlägt mir ein Thema oder mehrere Themen zur Auswahl vor.

  2. Ich schlage dem Betreuer ein Thema aus seinen Fach bzw. Lehrgebieten vor.

Für Bachelor- oder Masterarbeiten gilt: Sie sollen zeigen, dass die Studierenden in der Lage sind, eine anspruchsvolle Fragestellung (ein Problem) aus ihrem Studiengebiet selbständig nach wissenschaftlichen Methoden zu bearbeiten. Will ich selber ein Thema vorschlagen, muss ich als erstes also ein Problem finden, zu dessen Lösung meine Abschlussarbeit beitragen kann. 


Wie finde ich Probleme, von denen ich das Thema einer Arbeit ableiten kann?

Ideal wäre es natürlich, wenn ich mich nicht erst im letzten Moment um ein Thema bemühe. Immer wenn in den letzten Semestern über ein interessantes Problem gesprochen wird, sollte ich darüber nachdenken, ob ich nicht zu diesem Problem meine Abschlussarbeit schreiben könnte.

Es gibt weitere Möglichkeiten interessante Probleme zu finden:

1. Jeder Studiengang hat ein schwarzes Brett, wo Bachelor- oder Masterarbeiten angeboten werden. Aber auch auf den Internetseiten anderer Hochschule oder in Internet-Börsen werden Arbeiten angeboten. Entdecke ich so eine interessante Forschungsfrage, muss ich diese nur abwandeln oder weiterentwickeln.

2. Welche Probleme gerade unter den Wissenschaftlern meines Fachgebietes diskutiert werden, erfahre ich aus Fachzeitschriften und dem Vortrags-Programm von aktuellen Kongressen und Tagungen. Mit meiner Bachelor- oder Masterarbeit werde ich nur einen ganz kleinen Beitrag liefern können, aber es wäre motivierend, an einem aktuellen Problem mitzuarbeiten.

3. Schon geschriebene Abschlussarbeiten können mich anregen, ein Problem weiter zu bearbeiten. Einige Bibliotheken bieten einen gesonderten Katalog zu Abschlussarbeiten an, bei anderen kann man diese in dem OPAC-Katalog suchen. Auch im Internet sind fertige Abschlussarbeiten zu finden. Man sollte dem Betreuer mitteilen, wenn ein vorgeschlagenes Thema durch eine schon geschriebene Arbeit angeregt wurde. Dann kann er überprüfen, ob sich die abgeänderte Forschungsfrage genügend stark von dem Original unterscheidet. So kann der Verdacht eines Plagiats gar nicht erst entstehen.

Ein interessantes Problem zu finden reicht aber nicht aus, um darüber eine Arbeit zu schreiben. Ich muss auch die Möglichkeit haben, das Problem mit wissenschaftlichen Methoden bearbeiten zu können: Ich muss in der Literatur genügend Informationen bzw. Daten finden, die ich auswerten kann oder ich muss selber Versuche bzw. Datenerhebungen durchführen können. Das heißt, ich darf für meine Bachelor- oder Masterarbeit keine Fragestellung auswählen, bei der ich nicht in der Lage bin, sie in der vorgegebenen Zeit zu beantworten.

Habe ich mich mit meinem Betreuer auf ein Thema geeinigt, dann geht es darum, das Ziel der Arbeit festzulegen.


Wie legt man das Ziel der Arbeit fest?

Thema und Ziel sind nicht das Gleiche, hier die unterschiedlichen Definitionen: Das Thema ist der Hauptgedanke oder Hauptgegenstand (der wichtigste Gegenstand) über den geschrieben bzw. geredet wird. Ein Ziel ist ein gewünschtes zukünftiges Resultat, welches genau bestimmt ist in Bezug auf den Inhalt, die Zeit und den Umfang. Dazu ein Beispiel:

Thema:

Die Optimierung der Beleuchtungstechnik in dem Museum X

Ungenaue Zieldefinition:

Das Ziel ist, die Beleuchtungstechnik des Museums X zu optimieren.

Genaue Zieldefinition:

Das Ziel ist für das Museum X ein Konzept zu entwickeln, durch das die Ausstellungstücke attraktiver beleuchtet und gleichzeitig die Energiekosten um 10 % gesenkt werden, wobei die Investitionen nicht mehr als 15 000 Euro betragen dürfen.

Die genaue Festlegung des Zieles ist die Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Arbeit. Das Ziel bestimmt die Struktur der Arbeit, die anzuwendenden Methoden und die Ergebnisse werden mit Bezug zum Ziel diskutiert. Es muss so eingegrenzt werden, dass es in der zur Verfügung stehenden Zeit erreicht werden kann.

Ist es in einem ersten Gespräch nicht möglich das Ziel genau festzulegen, müssen beide Seiten oder nur ich recherchieren, um eine präzise Zielbeschreibung zu erarbeiten. Ist das Ziel gefunden, muss durch eine Literaturrecherche geprüft werden, ob es eine Arbeit gibt, die genau dieses Ziel schon bearbeitet hat.


Was sind die Aufgaben eines Betreuers?

Prüfungsordnungen enthalten in der Regel keine inhaltlichen Anforderungen an die Betreuung einer Bachelor- oder Masterarbeit. Es gilt der durch den Zweck der Arbeit gesetzte Rahmen: die Studierenden sollen zeigen, dass sie in der Lage sind, ein Problem aus ihrem Studiengebiet selbständig nach wissenschaftlichen Methoden zu bearbeiten. Innerhalb dieses Rahmens bestimmen sich Inhalt und Form der Betreuung nach dem Einzelfall (vgl. VG Freiburg, Urteil vom 22. Juli 2009, Az. 1 K 477/08, www.openjur.de/u/351497.html, Absatz 31, 28.12.13)

Der Betreuer hat die Pflicht, eine Bachelor- oder Masterarbeit nach „allgemein gültigen Bewertungsgrundsätzen“ zu bewerten (siehe „Die Bewertung/Benotung"). Ein allgemeingültiger Grundsatz ist, dass eine Bewertung durch den Vergleich von ermittelten Istwerten mit vorher festgelegten Sollwerten erfolgt. Das heißt, es darf  z. B.  bei einer Klausurfrage von der Antwort nicht mehr verlangt werden, als was in der Frage gefordert wurde.

Das gilt auch für Bachelor- oder Masterarbeiten. Der Betreuer darf von einer Bachelor- oder Masterarbeit bei der Beurteilung nicht mehr verlangen, als was bei der Aufgabenstellung festgelegt wurde. Deshalb ist es so wichtig, mit dem Betreuer diese zu diskutieren und präzise festzulegen.

„Leider zeigt die Erfahrung, dass es gerade bei dieser wichtigen Abschlussarbeit immer wieder zu Problemen kommt, die nicht durch mangelnde Fachkenntnis begründet sind sondern häufig durch Faktoren wie: unklare Absprachen, Unkenntnis der Anforderungen und formalen Abläufe, schlechte Organisation oder Zeitplanung ..." (http://www.technik-emden.de/~coelln/prod011.htm, 04.01.14)

Zur Aufgabenstellung gehören die folgenden 4 Punkte:

1. Der Entwurf der Einleitung

Das Ziel einer wissenschaftlichen Bachelor- oder Masterarbeit ist es, ein Problem zu lösen, welches darin besteht, eine (einfache) Forschungsfrage zu beantworten. Deshalb sollte als erstes der Entwurf einer Einleitung geschrieben und mit dem Betreuer (oder den Betreuern) diskutiert werden. Denn die Einleitung nennt die Forschungsfrage und beschreibt, warum es wichtig ist, diese zu beantworten. Die angestrebte Anwort wird entsprechend der obigen Definition präzise als Ziel formuliert. Danach werden die geplanten Methoden skizziert, mit denen das Ziel erreicht werden soll. (siehe „Die Einleitung")

Auch wenn das Ziel in einem oder zwei Sätzen präzise formuliert wurde, kann es immer noch unterschiedlich interpretiert werden. Deshalb sollte ich mir die Zustimmung des Betreuers zu meiner geplanten Vorgehensweise einholen.

Erst auf Grundlage solch eines Entwurfes der Einleitung sollten sich Studierende und Betreuer endgültig entscheiden, bei der Anfertigung der Bachelor- oder Masterarbeit zusammen zu arbeiten. Damit es hinterher nicht heißt, Thema bzw. Ziel verfehlt.

2. Die grobe Gliederung

Die Gliederung zeigt die Vorgehensweise beim Schreiben der Arbeit. Auch dafür sollte ich mir die Zustimmung meines Betreuers einholen. Damit es hinterher nicht heißt, es fehlt ein Kapitel über … .

3. Ein grober Arbeitsplan bzw. Zeitplan

In dem Entwurf der Einleitung werden die Methoden genannt mit denen das Ziel erreicht werden soll. Die Gliederung zeigt die Vorgehensweise beim Schreiben der Arbeit. Beides zu benennen reicht aber nicht. Es muss geprüft werden, ob es tatsächlich möglich ist, die Arbeit so wie geplant durchzuführen. So steht z. B. in der „Allgemeinen Bestimmung für Bachelor- und Masterprüfungs- und -studienordnungen in der Fakultät Life Sciences an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg“ vom 22.02.07: „Das Thema muss so beschaffen sein, dass es in der vorgesehenen Frist bearbeitet werden kann.“ Mein Betreuer hat die größere Erfahrung in Bezug auf Bachelor- oder Masterarbeiten. Deshalb sollte ich mit ihm einen groben Zeitplan für meine Arbeit besprechen (siehe „Die Zeitplanung"). Damit es hinterher nicht heißt, schade dass Ihnen die Zeit knapp wurde.

4. Die formalen Anforderungen an die Arbeit

Diese sind meist in einem extra Merkblatt des betreffenden Studienganges festgelegt. Ansonsten müssen auch diese Anforderungen mit dem Betreuer besprochen werden.

Diese 4 Punkte zu bearbeiten, bedeutet einen gewissen Arbeitsaufwand. Aber grobe Entwürfe lassen sich relativ schnell erstellen und die investierte Zeit zahlt sich im Verlauf der Arbeit aus. Einfach mit der Arbeit anzufangen und sich dann „von Ast zu Ast hangeln“, dafür dürfte ich keine sehr gute Note bekommen.

Jeder Betreuer hat seine eigenen Vorstellungen davon, wie er über den Verlauf der Arbeit  informiert werden und welche Teile der Arbeit er kontrollieren möchte. Deshalb ist zu Beginn der Arbeit auch festzulegen, in welchen Abständen bzw. zu welchen Zeitpunkten Besprechungstermine stattfinden sollen.

 

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