Der Ablauf (die Vorgehensweise)

Kernaussage: Der Ablauf besteht aus den Schritten: Fragestellung/Betreuer auswählen - Arbeit vorbereiten - Methoden durchführen - Ergebnisse dokumentieren - Ergebnisse und Schlussfolgerungen diskutieren.


Wie verläuft eine Bachelor- oder Masterarbeit idealerweise?

Eine Bachelor- oder Masterarbeit soll eine anspruchsvolle Fragestellung (ein Problem) aus einem Fachgebiet mit wissenschaftlichen Methoden lösen.


1. Das Ziel der Arbeit und den Betreuer auswählen

Das Thema einer Arbeit ist der Hauptgedanke oder der Hauptgegenstand, um den es in der Arbeit geht. Ein Ziel ist ein gewünschtes zukünftiges Resultat, welches genau bestimmt ist in Bezug auf den Inhalt, die Zeit und den Umfang. Ein Thema muss also auf ein präzises Ziel eingegrenzt werden.

Das Ziel einer Bachelor- oder Masterarbeit zu finden, ist keine leichte Aufgabe. Es gilt die Aussage, dass, „wer eine Abschlussarbeit schreiben will, eine schreiben soll, die er schreiben kann“ (Eco, U. (2005). Wie man eine wissenschaftliche Abschlussarbeit schreibt. Heidelberg: C. F. Müller).

Zwei unterschiedliche Vorgehensweisen sind möglich:

a) Ich wähle zuerst eine Fragestellung und suche mir dann einen passenden Betreuer

  • Zuerst muss ich entscheiden, zu welcher Fragestellung (zu welchem Problem) ich meine Arbeit schreiben will.

  • Meist kann eine Bachelor- oder Masterarbeit nur dazu beitragen eine Lösung für ein Problem zu finden. In einem solchen Fall muss ich entscheiden, welches Teilproblem ich lösen will. (Das Eingrenzen des Problems bzw. des Ziels kann manchmal viel Zeit in Anspruch nehmen.)

  • Eine Bachelor- oder Masterarbeit soll anspruchsvoll, aber trotzdem gut durchführbar sein. Ich muss entscheiden, wie optimal ich das Problem (oder Teilproblem) lösen will.

Ich liste also alle in Frage kommenden Ziele auf und prüfe dann jedes Ziel:

  1. Auf welche Ergebnisse soll sich die Problemlösung (das Ziel) stützen?

  2. Gibt es Methoden, die ich durchführen kann, um so zu den gewünschten Ergebnissen zu kommen?

  3. Kann ich für eine Arbeit mit diesem Ziel einen guten Betreuer finden?

Ich wähle das bestpassende Ziel aus. Dann überlege ich welche Professorinnen oder Professoren meines Studienganges als Betreuer für einen Arbeit mit diesem Ziel in Frage kommen. Stimmt von diesen jemand zu  mich zu betreuen, dann spreche ich mit ihr bzw. ihm meine geplante Arbeit genau durch und berücksichtige eventuelle Änderungsvorschläge.

b) Ich suche mir zuerst einen Betreuer und lege mit ihm das Ziel meiner Arbeit fest.

Ich überlege mir, in welcher Reihenfolge die Professorinnen und Professoren meines Studienganges für mich als Betreuer in Frage kommen. Dann frage ich meine Nummer Eins, ob sie bzw. er mir eine Arbeit anbieten kann oder ob ich eine Arbeit vorschlagen darf. Haben wir uns auf eine Arbeit geeinigt, dann sprechen wir diese genau durch, entsprechend der Vorgehensweise unter a).

Obwohl ich in beiden Fällen mit meinem Betreuer die Arbeit genau durchgesprochen habe, schreibe ich hinterher trotzdem den Entwurf einer Einleitung. Stimmt mein Betreuer diesem Entwurf zu, dürften große Missverständnisse zwischen uns im Verlauf der Arbeit ausgeschlossen sein.

 
2. Die  angestrebte Problemlösung setzt bestimmte theoretische Grundlagen voraus

Das Ziel meiner Arbeit, die angestrebte Problemlösung, stützt sich auf bestimmte Daten bzw. Ergebnisse. Um die notwendigen Daten bzw. Ergebnisse zu erhalten und auszuwerten, muss ich bestimmte Methoden anwenden. Um diese Methoden richtig anwenden zu können, muss ich zu Beginn meiner Arbeit die theoretischen Grundlagen zu der Problemlösung studieren. Solbald ich einen Überblick über diese Grundlagen habe, kann ich den Entwurf einer Gliederung anfertigen und einen Zeitplan für meine Arbeit aufstellen.


3. Die Methoden durchführen, die Ergebnisse dokumentieren

Durch die Prüfung der möglichen Ziele bekam ich eine gute Vorstellung von dem Problem, das ich lösen will. Das Studium der theoretischen Grundlagen bestätigte die Auswahl der Methoden und vermittelte mir die nötigen Kenntnisse zu ihrer Durchführung. Trotzdem muss ich die Methoden eventuell noch anpassen und ausprobieren. Dann führe ich sie durch und dokumentiere die Ergebnisse, die ich erhalte.


4. Die Schlussfolgerungen ziehen und diskutieren

Meine Ergebnisse muss ich bewerten. Ich denke darüber nach, was ich gut gemacht habe und was ich hätte besser machen können. Aus meinen verlässlichen Ergebnissen schlussfolgere ich, ob ich das gestellte Problem gelöst, ob ich das Ziel meiner Arbeit erreicht habe. Dann diskutiere ich den möglichen Nutzen meiner neuen Erkenntnisse und denke darüber nach durch welche weiteren Untersuchungen der Nutzen noch gesteigert werden könnte.


5. Die Arbeit schreiben

Da ich alle meine gewonnenen Erkenntnisse (mit ihren Quellen) und die Begründungen für meine Entscheidungen festgehalten habe, kann ich diese zur Rohfassung meiner Arbeit zusammenfügen. Jetzt muss ich alles überarbeiten, schön ausformulieren und meine Ergebnisse visualisieren. Auch die formalen Anforderungen an eine Bachelor- bzw. Masterarbeit erfülle ich (Deckblatt, ...). „Schon“ ist meine Arbeit fertig.

 

Wie verläuft eine Bachelor- oder Masterarbeit im ungünstigsten Fall?

Im ungünstigsten Fall habe ich mir das folgende Ziel gesetzt: Alles, was ich schreibe, muss sich gut anhören und meine Arbeit muss optisch gut aussehen. Ich gehe allen Schwierigkeiten aus dem Weg, indem ich sie ignoriere. Es soll aber trotzdem der Eindruck entstehen, dass ich die Fragestellung meiner Arbeit korrekt beantworte.

Um die Wichtigkeit meiner Arbeit zu belegen, wähle ich für meine Einleitung ein beeindruckendes Zitat, auch wenn es nicht genau zu der Aufgabenstellung meiner Arbeit passt. Meine Gliederung übernehme ich größtenteils von ähnlichen Bachelor- oder Masterarbeiten, die ich auch als Vorlage für meine Ideen, Ergebnisse und Literaturquellen benutze. Im Theorieteil meiner Arbeit zitiere ich viel. Allerdings verwende ich nur wenige wörtliche Zitate. Beim Zitieren ohne Anführungszeichen kann man schlecht zwischen Zitat und eigenem Text unterscheiden und es sieht so aus, als hätte ich den größten Teil des Textes selber geschrieben. Natürlich nenne ich bei allen Zitaten ihre Quelle. Die ähnlichen Bachelor- oder Masterarbeiten gebe ich allerdings nicht an. Aber diese habe ich auch nur so vorsichtig benutzt, dass es nicht nachweisbar ist.

Meine Untersuchungsmethoden führe ich ohne großen Aufwand so schnell wie möglich durch. Da niemand meine Ergebnisse überprüfen kann, schöne ich sie, damit sie gut zu der Schlussfolgerung passen, die ich ziehen will. In der Diskussion schreibe ich, dass alles gut geklappt hat und meine Untersuchungen fortgeführt werden sollten.

In den Gesprächen mit meinem Betreuer mache ich einen lernbegierigen Eindruck und verspreche immer, seine Anregungen vollständig umzusetzen. Beim Lesen meiner fertigen Arbeit hat er zwar ein ungutes Gefühl wegen meines schwammigen Stils, da meine Ergebnisse aber so schön sind und ich nirgendwo etwas Falsches geschrieben habe, gibt er mir eine gute Note.

Dies ist der ungünstigste Verlauf einer Bachelor- oder Masterarbeit, weil ich durch die gute Note die Chance habe, einen verantwortungsvollen Arbeitsplatz zu bekommen, auf dem ich großen Schaden anrichten kann.

 

 

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