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Wie einen guten Text schreiben?

Kernaussage: Schreiben ist schwer, weil oft Hindernisse überwunden werden müssen. Das gilt auch für die Bachelor- oder Masterarbeit.

(English version, version française)

Was ist ein Text?

Es gibt mehrere Text-Definitionen, keine ist allgemein anerkannt.

„Ein Text ist ein Kommunikationsinstrument, mit dem ein Autor einem Leser eine Mitteilung über einen Sachverhalt macht. Der Autor versucht dabei das Bewusstsein des Lesers mittels sprachlicher Formulierungen so zu steuern, dass der Leser versteht, was der Autor meint.“ (Schnotz, W.(2006). Textverständnis, in: Rost, D.H. (Hrsg.), Handwörterbuch Pädagogische Psychologie.(3. Aufl.), Weinheim: Psychologie Verlags Union, S. 769-777)

Jeder Text hat eine Mitteilung (Aussage). Eine beliebige Folge von Buchstaben (z. B. uihagnudn) ist kein Text.

Definition: Ein Text ist die Folge schriftlicher Sprachzeichen, die mindestens eine Aussage haben. (www.learn-study-work.org, 11.08.19)

Was ist ein guter Text?

Ein guter Text ist verständlich, angenehm, interessant und anregend.

Es lässt sich „unser Grundrecht auf verständliche, angenehme, interessante Lektüre zu drei Grundforderungen zusammenfassen … 1. Schreiber und Redner: Fasse Dich kurz! … 2. Faß die Sache – triff das Ziel … 3. Liebe deinen Leser wie dich selbst! … Was sie [die Leser] angenehm finden, was sie anregt: Das zählt.“ (Schneider, W. (1988). Deutsch für Kenner. Die neue Stilkunde. Hamburg: Gruner + Jahr, S. 40 u. 41)

Ein Text ist interessant, wenn er dem Leser etwas Neues und Nützliches bietet. Er ist angenehm, wenn der Leser sich unterhalten fühlt. Und er ist anregend, wenn der Leser dazu gebracht wird, seine Vorstellungskraft einzusetzen.

Wann ist ein Text gut zu verstehen?

„Allenthalben fehlt es an der Einsicht, dass immer einer sich plagen muss, wenn ein komplizierter Vorgang verständlich beschrieben werden soll: der Schreiber oder der Leser. Schreiber neigen dazu, diese Plage auf die Leser abzuwälzen …“ (Schneider, W. (1988). Deutsch für Kenner. Hamburg: Gruner + Jahr, S. 43)

Auf Grundlage ihre Forschungsergebnisse haben Hamburger Psychologen vier Merkmale gefunden, die einen verständlichen Text auszeichnen:

1. Einfachheit

„Einfachheit bezieht sich auf die Wortwahl und den Satzbau, also auf die sprachliche Formulierung: geläufige, anschauliche Wörter sind zu kurzen, einfachen Sätzen zusammengefügt. Treten schwierige Wörter auf (Fremdwörter, Fachausdrücke), so werden sie erklärt.“ (Langer, I., Schulz von Thun, F., Tausch, R. (2002). Sich verständlich ausdrücken. München; Basel: Ernst Reinhardt, S. 16)

Ein verständlicher Text ist in richtigem und stilistisch gutem Deutsch geschrieben.

Was richtiges Deutsch ist sagt die Grammatik, die für die formalen Regeln der deutschen Sprache zuständig ist (die Rechtsschreibung ist ein Teilgebiet der Grammatik). Zur Grammatik gibt es unzählige Bücher und Internetseiten.

Was gutes Deutsch ist untersucht wissenschaftlich die Stilistik. Stil ist die Art und Weise, in der jemand spricht oder schreibt. Stillehren sind Bücher, die erklären was guter Stil ist (z. B. „Duden – Richtiges und gutes Deutsch“). Wolf Schneider, der Leiter der Hamburger Journalistenschule bis 1995, schreibt in seinem Buch „Deutsch fürs Leben“: „Wer sich die folgenden 48 Regeln einmal einverleibt hat, braucht für gutes Deutsch oft nicht länger als für schlechtes.“ (Schneider, W. (2010). Deutsch fürs Leben. Reinbek: Rowohlt, S. 19).

2. Ordnung/Gliederung

„Dieses Merkmal bezieht sich auf die innere Ordnung und auf die äußere Gliederung eines Textes.
Innere Ordnung: … Die Informationen werden in einer sinnvollen Reihenfolge dargeboten.
Äußere Gliederung: Der Aufbau des Textes wird sichtbar gemacht. Zusammengehörige Teile sind übersichtlich gruppiert, z. B. durch überschriftete Absätze.“  (Langer, I., Schulz von Thun, F., Tausch, R. (2002). Sich verständlich ausdrücken. München; Basel: Ernst Reinhardt, S. 18)

Ich kann einen komplizierten Sachverhalt nur dann einfach beschreiben, wenn ich ihn verstanden habe. Etwas verstanden haben heißt, nicht nur die Fakten, sondern auch die Beziehungen zwischen den Fakten zu kennen. Die Struktur ist die Art und Weise, wie die Teile eines Ganzen zueinander in Beziehung stehen. Ich muss also die Struktur des Sachverhaltes verstanden haben, um über diesen Sachverhalt einen gut strukturierten Text schreiben zu können.

3. Kürze/Prägnanz

Ein guter Text ist nicht zu lang und nicht zu kurz. Er beschränkt sich auf das Wesentliche. Ist ein Text zu kurz, bleiben Fragen offen. Ist er zu lang, dann beschreibt er Überflüssiges wie z. B. zu viele Details.

4. Anregende Zusätze

Ein wissenschaftlicher Text soll sachlich, aber auch anregend sein. Deshalb soll er einige anregende Zusätze enthalten. Sparsam eingesetzt erhöhen diese die Anschaulichkeit des Textes und seinen Erinnerungswert. Ein interessantes Beispiel wäre solch ein anregender Zusatz.

Wie entsteht eine klare Textstruktur?

Ein längerer Text (lateinisch textum: Gewebe, Zusammenfügung) hat eine hierarchische Struktur. Diese ergibt sich aus der Notwendigkeit die Hauptaussage durch Verwendung von Teilaussagen zu erklären. Die Teilaussagen werden durch Teiltexte beschrieben, die auch als Textsegmente bezeichnet werden. Diese stellen „wesentliche Sinneinheiten“ dar. In ihnen „werden Subthemen entfaltet, die zur Entwicklung des Gesamttextes (und des Hauptthemas) beitragen …“ (https://web.archive.org/web/20081222153848/http://www-user.uni-bremen.de:80/~schoenke/tlgl/tlgl.html, siehe unter Teiltext, 20.10.10)

„Für Harweg sind Texte sowohl als ‚hierarchisch strukturierte Gebilde‘ (Harweg 1990: 17), ‚von oben nach unten‘ unter Berücksichtigung des Textthemas gebildet als auch linear konstituiert, ‚von links nach rechts‘.“ (https://web.archive.org/web/20081222153848/http://www-user.uni-bremen.de:80/~schoenke/tlgl/tlgl.html siehe unter Textstruktur, 15.11.12)

Die Struktur eines Textes könnte also so aussehen:

Wie einen guten Text schreiben? Der rote Faden, um den Text schreiben zu können für die Bachelorarbeit - www.stuwap.org

Jedes Inhaltsverzeichnis zeigt vom Prinzip her solch eine hierarchische Textstruktur. Jeder Text beantwortet eine Hauptfrage, deren Antwort die Hauptaussage des Textes ist. Genauso beantwortet jedes Kapitel und Unterkapitel eine Teilfrage, deren Antwort eine Teilaussage ist.

Was ist der rote Faden eines Textes?

Der rote Faden zeigt die lineare Verknüpfung der Teiltexte. Sie müssen logisch aufeinander folgen. Das heißt, der Leser muss zuerst die Teiltexte lesen, die zum Verständnis der nachfolgenden Teiltexte notwendig sind. Es darf keine Auslassungen oder Sprünge geben.

Der rote Faden ist der leitende Grundgedanke, der sich durch den Text zieht. Das obige Bild macht das deutlich: Den „roten Faden“ bilden alle Teiltexte, die eine Verbindung zur Hauptaussage des Textes haben. Das Unterkapitel 1.3 ist überflüssig, weil es keine Verbindung zur Hauptaussage hat und deshalb nicht zum roten Faden des Textes gehört. Es trägt nicht dazu bei, die Hauptaussage deutlich zu machen und sollte weggelassen werden.

Was ist die Hauptaussage eines Textes?

Die Hauptaussage ist die wichtigste Aussage des Textes sehr kurz formuliert, am besten in einem Satz. Sie drückt das Wesentliche an einem Text aus:

„Nachdem Onkel Herbert die erste Geschichte im Stern gelesen hat, ruft er zum Beispiel in die Küche: „Helga stell dir vor: Wenn das mit der Klimakatastrophe so weitergeht, wird in 40 Jahren Wiesbaden an der Nordsee liegen!“ Dieser … Küchenzuruf … ist die Antwort auf die Frage: „Was will uns der Autor mit seinem Text sagen?“ “ (Reiter, M., Sommer, S. Perfekt schreiben (2009), München, Carl Hanser Verlag, S. 20)

Der Küchenzuruf ist die Hauptaussage eines Textes. Oft ist es schwierig, solch eine Hauptaussage zu formulieren. Dann ist es einfacher die Hauptfrage zu bestimmen, die der Text beantwortet. Die Hauptaussage wäre dann die Antwort auf diese Hauptfrage (s. u.).

Ist die obige Darstellung einer Textstruktur richtig?

Die folgenden Literaturzitate sollen die Richtigkeit der obigen Darstellung zeigen:

Bei einer Literaturinterpretation wird die Struktur („Ebenen und Elemente“) analysiert, um die Textaussage zu verstehen:
„Strukturanalysen literarischer Texte … zielen auf eine exakte Erfassung der Textbedeutung und ihres Zustandekommens. Hierzu zerlegen sie den Text in seine verschiedenen Ebenen und Elemente und suchen eine hierarchische Ordnung aufzudecken … “ (Schutte, J. (1993). Einführung in die Literaturinterpretation, Stuttgart, Weimar: J. B. Metzler, S. 94

„Textverstehen ist ein … zielorientierter Prozess. … Mikrostrategien richten sich auf das Verstehen der aufeinanderfolgenden Textaussagen … Makrostrategien hingegen richten sich auf das Herausarbeiten der Hauptideen eines Textes.“ (Schnotz, W. (2006). Textverständnis, in Rost, D. H. (Hrsg.), Handwörterbuch Pädagogische Psychologie, Weinheim: Beltz Verlag, S. 774)

Warum ist das Schreiben eines Textes oft ein Problem?

„Schreiben ist harte Arbeit. Ein klarer Satz ist kein Zufall. Sehr wenige Sätze stimmen schon bei der ersten Niederschrift oder auch nur bei der dritten. Nehmen Sie das als Trost in Augenblicken der Verzweiflung. Wenn Sie finden, dass Schreiben schwer ist, so hat das einen einfachen Grund: Es ist schwer.“  William Zinsser, „On Writing Well“

Bei einem Problem gibt es Hindernisse auf dem Weg zum Ziel (dem fertigen Text). Um das Ziel erreichen zu können, muss eine Methode angewandt werden. Die Methode kann auch als Plan angesehen werden:

„Unter einem Plan soll mit Rehbein (1977) ein Handlungsentwurf verstanden werden, der notwendig wird, wenn ein gesetztes Ziel aufgrund von Hindernissen nicht umstandslos zu erreichen ist. Bezogen auf das Schreiben bedeutet das Folgendes: Ein Schreibplan wird dann nötig, wenn sich der Schreiber nicht in der Lage sieht, sein kommunikatives Ziel auf direktem Weg zu realisieren. Dabei können die Hindernisse ganz unterschiedlicher Natur sein; dem Schreiber kann es an dem nötigen thematischen Wissen mangeln, er kennt die Adressaten und deren Vorwissen nicht, er hat keine Ideen zur Entfaltung des Themas, ihm fehlen passende Formulierungen und anderes mehr.“ (Becker-Mrotzek, M. (2007). Planungs- und Überarbeitungskompetenz entwickeln, in: Informationen zur Deutschdidaktik, 31 (2007) 1, S. 25-34, siehe auch http://de.scribd.com/doc/78662108/Becker-Mrotzek-Planungs-und-Uberarbeitungskompetenz-entwickeln, S. 27, 13.06.15)

1. Hindernis: das nötige thematische Wissen

Wer einen Text schreiben will oder muss hat meist schon einiges Wissen zu dem betreffenden Thema. Man darf nur nicht glauben, man könne deshalb den Text einfach herunterschreiben. Das können nur Experten, die zu dem Thema schon mehrere Texte erstellt haben.

„Es ist ein bekanntes Phänomen, auf unerwartete noch offen gebliebene Fragen zu stoßen, wenn man versucht, ein Problem zusammenhängend und überzeugend darzustellen, weil man dann weniger leichtfertig über scheinbar bekanntes hinweggeht. … Probleme dabei sind oftmals ein Indikator für unvollständige eigene Erkenntnis.“ (Ascheron, C. (2007). Die Kunst des wissenschaftlichen Präsentierens und Publizierens, München: Elsevier GmbH, S. 179)

„Writers must therefore constantly ask: what am I trying to say? Surprisingly often they don’t know.“ (Zinser, W. (2001). On Writing Well, New York: HarperCollins Publishers, S. 12)

Wer eine „Schreibblockade“ hat, sollte als erstes prüfen, ob sein thematisches Wissen wirklich vollständig ist. Wenn das nötige Wissen zur Beantwortung einer Teilfrage nicht in meinem Gedächtnis vorhanden ist, muss ich eine Literaturrecherche durchführen (siehe „Die Literatur suchen„).

Leider ist es oft nicht so einfach zu einer Frage die passenden Texte zu finden. Es kann sein, dass ich viele verschiedene Texte finden und lesen muss, um mir das notwendige Wissen anzueignen, mit dem ich die Frage beantworten kann.

Wenn ich Literatur lese, um das Thema zu verstehen, sollte ich immer auch darauf achten, ob ich Texte oder Textstellen als Zitate oder als stylistische Vorbilder benutzen kann für das Formulieren meines Textes. Ich kann z. B. sehen welche Fachwörter benutzt werden.

Sollte sich der Inhalt meines Textes nicht vom Original unterscheiden muss ich natürlich die Quelle angeben (sonst ist es ein Plagiat).

2. Hindernis: das nötige Wissen zur Textsorte

Textsorten sind „… sprachliche Muster zur Bewältigung von spezifischen kommunikativen Aufgaben …“ (siehe unter Textmusterwissen: https://web.archive.org/web/20081222153848/http://www-user.uni-bremen.de:80/~schoenke/tlgl/tlgl.html, 30.08.15). Alle Texte einer Textsorte haben gemeinsame Merkmale, durch die sie sich von anderen Texten unterscheiden.

Wenn ich einen Text schreiben will, der zu einer bestimmten Textsorte gehören soll (z. B. einen Geschäftsbrief oder ein Gedicht), muss ich die für diese Textsorte geltenden Anforderungen und Regeln kennen. Beim Schreiben muss ich diese befolgen, damit mein Text die Merkmale dieser Textsorte aufweist.

Wenn ich eine Bachelor- oder Masterarbeit schreiben will, muss ich die Anforderungen erfüllen und die Regeln befolgen, die für solche Arbeiten gelten. Es ist also ratsam, sich über diese vor dem Schreiben zu informieren.

3. Hindernis: keine Idee zur Entfaltung des Themas

Wer keine Idee hat zur Entfaltung des Themas, der weiß nicht, wie er seinen Text strukturieren soll. Im Folgenden wird beschrieben, wie man vom Allgemeinen zum Besonderen vorgeht, um den Text zu strukturieren / zu gliedern. (Wie vom Besonderen zum Allgemeinen, von der Stoffsammlung zur Stoffordnung, vorgegangen wird: siehe „Die Gliederung„.)

Wenn ich vom dem Text, den ich schreiben will, die Hauptaussage weiß, kann ich diese als Ausgangspunkt für meine Gliederung verwenden. Ich frage mich: Was muss ich dem Leser mitteilen, damit er die Hauptaussage versteht? Durch das Beantworten dieser Frage finde ich Teilaussagen. Diese untergliedere ich weiter: Was muss ich dem Leser mitteilen, damit er die Teilaussagen versteht?

So kann ich fortfahren, bis ich die unterste Ebene meiner Gliederung (in Kapitel) erreicht habe. Ein Text sollte möglichst nicht mehr als 3 Gliederungsebenen habe, damit er nicht unübersichtlich wird (siehe „Die Gliederung„). Auch bei den unteren Kapitel frage ich mich: Was muss in diesem Kapitel stehen, damit der Leser die Teilaussage des Kapitels versteht? Als Antwort auf diese Frage schreibe ich dann den Text. Diesen untergliedere ich in Absätze, damit er gut aussieht und leichter zu lesen ist.

Das folgende Bild beschreibt die Vorgehensweise für die ersten beiden Gliederungsebenen eines Textes :

Wie einen guten Text schreiben? Die Textstruktur zielt auf den Leser, um den Text schreiben zu können für die Bachelorarbeit - www.stuwap.org

Bei dieser Vorgehensweise muss ich natürlich den Kenntnisstand meiner Leserschaft abschätzen, um die passende Struktur zu finden: Laien müsste ich mehr erklären als Fachleuten.

Wenn ich die Hauptaussage meines Text am Anfang noch nicht weiß, kann ich die Hauptfrage als Ausgangspunkt verwenden und mich fragen: Was muss ich dem Leser wahrscheinlich mitteilen, damit er die Antwort auf die Hauptfrage verstehen kann?

Um mit dem Schreiben zu beginnen, muss ich also nicht warten bis ich den ganzen Text durchgeplant habe. Sobald ich glaube, dass ich eine Teilfrage gefunden habe, die ich in meinem Text beantworten muss, kann ich beginnen diese Teilfrage zu bearbeiten: Zuerst führe ich eine Literaturrecherche durch, um mir das nötige thematische Wissen anzueignen. Dann überlege ich mir die Antwort auf die Teilfrage und schreibe diese gleich auf Dieser erste Entwurf muss nicht perfekt sein.

Beim Schreiben von STUWAP habe ich mich schon öfters geärgert, dass ich beim Bearbeiten einer Frage meine Gedanken nicht notiert habe. Ich dachte mir: „Das schreibe ich später auf.“ Später musste ich mich dann aber wieder neu in die Frage einarbeiten. Durch vorhandene Notizen hätte ich viel Zeit sparen können.

Wenn ich den Text zu einer Teilfragen geschrieben habe, ergibt sich aus ihm meist die nächste Teilfrage, die ich bearbeiten muss. Zur linearen (logischen) Gliederung meines Textes komme ich oft ganz von alleine. Ich muss nur überprüfen, ob ich nicht ein Kettenglied vergessen habe. Es kommt aber auch vor, dass ich eine bearbeitete Teilfrage, gar nicht in meinem Text aufnehme, weil sich herausstellt, dass sie nicht so wichtig ist.

Ein guter Ausgangspunkt zum Finden von Teilfragen ist es, die Definitionen der Begriffe nachzusehen, um die es in dem Text gehen soll. Denn etwas präzise zu definieren wirft viele Fragen auf.

Wenn ich den Text fertig geschrieben habe, dann habe ich eine Antwort auf die Hauptfrage gefunden. Mit dieser Antwort, der Hauptaussage meines Textes, überprüfe ich die von mir gewählte Struktur. Eventuell muss ich sie noch verbessern, damit der Leser die Hauptaussage leicht verstehen kann.

Ein Text darf keine Aufzählung sein, bei dem die Aufzählungspunkte ohne erkennbaren Zusammenhang aufeinander folgen. Solch ein Text ist langweilig. Ein logisch aufgebauter Text ist leicht zu lesen und gibt dem Leser die Gelegenheit mitzudenken.

Im englischsprachigen Raum wird oft der Ratschlag gegeben: „Tell a story!“ (Erzähl eine Geschichte!) Eine Geschichte entsteht aus der Beschreibung von aufeinander folgenden Geschehnissen. Eine gute Geschichte regt den Hörer zum Mitdenken an. Das soll ein Text auch. Der Leser soll sich fragen: „Was geschieht als nächstes?“ und „Würde ich auch so handeln?“

4. Hindernis: das Fehlen passender Formulierungen

In einer Sprache gibt es für jedes Ding, für jede Erscheinung und für jeden Vorgang ein Wort. Wenn wir die Wörter zueinander in Beziehung setzen, können wir Aussagen machen. Eine Aussage ist die sprachliche Darstellung eines Sachverhaltes (und umgekehrt kann alles ein Sachverhalt sein, was Gegenstand einer Aussage sein kann.)

Um Aussagen zu machen formulieren wir Sätze. (Seiffert, H. (1975). Einführung in die Wissenschaftstheorie 1, München: Verlag C. H. Beck, S. 53 u. 60 ff.)

Anders gesagt:

Wenn wir etwas Sinnvolles aussagen wollen, müssen wir die passenden Worte in eine Sinnbeziehung bringen. Einen solchen Sinnzusammenhang nennt man Satz. (Klein, H. W., Strohmeyer, F. (1967). Französische Sprachlehre, Stuttgart: Ernst Klett Verlag, S. 13).

Um über einen Sachverhalt verständliche Sätze formulieren zu können, muss ich …

1) den Sachverhalt verstanden haben (s. o.)

2) den passenden Wortschatz besitzen:

Welche Fachwörter für einen speziellen Sachverhalt verwendet werden, sehe ich in Texten, die andere zu diesem Sachverhalt geschrieben haben. Es gibt Formulierungshilfen, die zeigen welcher Wortschatz zum Schreiben im Studium verwendet werden sollte (z. B.
https://www.stksachs.uni-leipzig.de/files/media/pdf/studienbegleitung/schreibkurs/P31Formulierungshilfen.pdf, 11.07.15).

3) die Grammatik und die Rechtschreibung beherrschen

4) den richtigen Stil für meine Aussagen wählen:

Wenn ich einen Freund an ein heutiges Treffen erinnern will, habe ich verschieden Möglichkeiten dies zu formulieren: „Vergiss unser heutiges Treffen nicht.“ „Sei heute pünktlich!“ „Komm heute bitte pünktlich!“ „Bei unserer letzten Verabredung musste ich 30 Minuten auf dich warten.“ „Wenn du heute nicht pünktlich kommst, kriegst du Ärger.“ …

Welches die passende Formulierung ist, hängt von der speziellen Situation ab. (Jeder weiß wie peinlich es ist, wenn man sich im Ton vergreift.)

„Der Unterschied zwischen dem richtigen Wort und dem beinahe richtigem Wort ist derselbe Unterschied wie zwischen dem Blitz und einem Glühwürmchen.“ (Mark Twain, Brief an George Bainton, veröffentlicht in „The Art of Authorship“ von George Bainton)

Neues Wissen baut immer auf schon vorhandenem Wissen auf. Das Gleiche gilt für Texte. Wie ein Text geschrieben wird, lerne ich von vorhandenen Texten. Wenn ich nicht weiß, wie ich meinen Text formulieren soll, dann muss ich mir andere Texte als Vorbilder suchen. (Wenn ich Gedanken oder Formulierungen anderer Texte übernehme, natürlich nur mit Quellenangabe, sonst ist das ein Plagiat.)

Ein Text soll nicht einfach den Inhalt anderer Texte wiederholen, vielmehr soll er eine klar gestellte Frage beantworten unter Verwendung des gegenwärtig vorhandenen Wissens. Wenn ich den Inhalt anderer Texte kombiniere, dann ist mein Text hochwertiger als die Originale. Das heißt, in meinem Text sollen meine Meinung, mein Denken und meine Beobachtungen zum Ausdruck kommen. Die zitierte Literatur dient dabei als Ausgangspunkt bzw. als Bestätigung.

„Ziel muss es immer sein, bestehendes Wissen … zu bestätigen (Verifikation) oder zu widerlegen (Falsifikation) und durch neues Wissen zu ersetzen.“ (www.medien-doktor.de/TEMP/Antes_Qualitaet_wissenschaftlicher_Arbeiten.pdf, S. 90, 25.07.15)

Unglücklicherweise benötigt man für das Entwickeln einer eigenen Meinung Zeit.

5. Hindernis: häufig fehlt die Zeit zum gründlichen Überarbeiten

„Schreiben ist harte Arbeit. Ein klarer Satz ist kein Zufall. Sehr wenige Sätze stimmen schon bei der ersten Niederschrift oder auch nur bei der dritten.“  (Zinser, W. (2001). On Writing Well, New York: HarperCollins Publishers, S. 12)

Einen einfachen Sachverhalt zu beschreiben ist keine harte Arbeit. „Wir treffen uns heute um 17:00 Uhr am Bahnhof.“ Solch eine Nachricht zu schreiben, ist nicht schwer.

Die Beschreibung eines komplexen Sachverhaltes gelingt nicht im ersten Versuch. Das menschliche Gehirn kann nicht alle Einflussfaktoren auf einmal bedenken, die beim Schreiben solch einen Textes wichtig sind. Deshalb muss ein anspruchsvoller Text mehrfach überarbeitet werden. Dafür ist Zeit einzuplanen.